Gefangenschaft und Neuanfang

Entlassung aus Kriegsgefangenschaft

Erinnerung an Heinz Piontek in Waldmünchen, Zeitungsartikel mit Hinweis auf die BR-Sendung am 26.7.2009

Die Gefangenschaft in der amerikanischen Besatzungszone in Bayern wird zur Basis des Neuanfangs. Freundschaften entstehen, Pläne werden geschmiedet, Perspektiven entwickelt.

Nach der Entlassung beginnt man bei Null! Ohne Heimat, von den Angehörigen getrennt, weitgehend mittellos heißt es, Fuß zu fassen.

Im Mai 1945 befindet sich Heinz Piontek im Gefangenenlager Kötzing in Bayern. Er ist dort gemeinsam mit seinem Freund Hans Michnick und wartet auf seine Entlassung. Er grenzt sich schon damals von den anderen ab, da er – wie er sagt – lieber beobachtet statt den Kontakt zu anderen zu suchen.

 

„Für mich, beispielsweise, und für eine gar nicht so kleine Minderheit, waren das Zuhören und Beobachten der Redenden an Spannung mindestens gleichwertig.“ (SdÜ., S.170)

 

Zusammen mit seinem Freund Michnick berät er über einen möglichen Entlassungsort, bei dem Orte wie Salzburg und Waldmünchen fielen. Heinz Piontek fühlt sich mehr nach Salzburg gezogen um sein Interesse an Kunst zu vertiefen. Einige Tage später wird er zum Lagerkommandanten gerufen, wo sein Entlassungsschein ausgefüllt wird. Piontek entscheidet sich für Salzburg, woraus später aber nichts wurde.

Er und ein weiterer „Häftling“ verlassen das Lager um einen Ort mit Bahnhof aufzusuchen. Jedoch sind für Heinz Piontek die Freunde wichtig. Kaum auf freiem Fuß kehrt er wieder um, zum Lager zurück, um schließlich gemeinsam mit seinem Freund weiterzuziehen.


 "Freundchen, du hast was vergessen, stimmts? Ja, sagte ich, dich.“   (SdÜ., S.183)

 

Drei Tage später machen sie sich gemeinsam auf den Weg nach Waldmünchen , wo die beiden Ex-Soldaten zur Ruhe kommen möchten. H. Michnick will zur Familie Grafenberger, die dieser von früher gut kennt. Die Beiden werden dort gut versorgt und finden vorübergehend einen Schlafplatz. H. Piontek erinnert sich zurück an den Krieg und stellt fest, dass er eigentlich nichts hat; weder Geld noch eine Arbeit. Außerdem wissen seine Angehörigen nicht, wie es ihm geht:


„Ein wirkliches Zuhause hatte ich nirgendwo. Und von meinen Angehörigen, meiner Verwandtschaft, von allen meinen Freunden nicht das geringste Lebenszeichen. Und was mir jetzt am allernötigsten gewesen wäre: ich hatte keinen Beruf.“ (SdÜ., S.197)


H. Piontek fühlt sich in Waldmünchen dennoch schnell heimisch und wird in die Dorfgemeinschaft integriert. Dann ist es jedoch notwendig, dass sich der junge Mann H. Piontek eine bezahlte Arbeit sucht, denn ohne eine solche werden keine Essensmarken mehr ausgehändigt.
Frau Andergast bietet Heinz Piontek an auf ihren Garten aufzupassen. Heinz Piontek erreicht, dass auch sein Freund H. Michnick dort im Gartenhaus wohnen darf, was für beide ein weiteren Neuanfang darstellt.


„Überall hörte und las man jetzt das Wort von der Stunde Null. Ein Wort, das mir keine Ruhe ließ. Immer mehr meinte ich zu spüren, daß es gerade auf mich gemünzt sei. Ja, ich mußte mit meinem Lernen, Denken, Wissen noch einmal bei Null anfangen. (SdÜ., S. 219)


Mit Beginn des Jahres 1946 lebt Heinz Piontek in Waldmünchen ; er hat seine Familie, die aus Kreuzburg vertrieben wurde, verloren. Seine Mutter und seine Schwester Ilse leben währenddessen in Krossen.

Als Heinz Piontek auf der Suche nach Arbeit bei den Amerikanern in Waldmünchen nachfragt, erkennt er Bert Kowalski, einen guten Freund, wieder, der bei den Amerikanern als Haushälter arbeitet. Dieser verschafft ihm einen Job als Maler und Lackierer bei den Amerikanern.
H. Piontek verliebt sich unterdessen in Hanna und feiert mit ihr deren 16. Geburtstag. Hannas Mutter hat einen neuen Mann kennengelernt und zieht deshalb mit ihrer Tochter nach Regensburg um. Hanna  verabschiedete sie sich von Heinz Piontek und bittet ihn, ihr bald zu schreiben.


„ Auch Hanna in ihrem hellen Regenmantel setzte ein Lächeln auf, als reihum das Verabschieden begann und man dabei feststellte, daß Regensburg ja nicht aus der Welt liege. Leise sagte sie zu mir: Schreib mir bitte bald, ja? Ein einziges Mal wischte sie sich schnell über die Augen. Und dann sagte sie laut und leichthin wie zu einer ihrer Freundinnen: Machs gut. Servus.“ (SdÜ., S. 253)


Während seiner Zeit in Waldmünchen ist Heinz Piontek für eine Weile ohne Arbeit, was dazu führt, dass er viele seiner Aquarelle verkaufen muss. Die Bilder finden rasch Abnehmer.

In den folgenden Sommermonaten nutzt Piontek viele Stunden für sich alleine um zu schreiben, aber auch um zu lesen. Seinen Erkenntnisgewinn umschreibt er wie folgt:

 

„Doch gerade an diesem Satz ging mir mit einem Schlag auf, wieviel, unglaublich viel von richtig platzierten Wörtern abhing: Von ihrem Nach- und Nebeneinander! Satzbau. […] Endlich hatte ich seine tiefwurzelnde Bedeutung begriffen.“ (SdÜ., S.261

 

Als „DIE NEUE ZEITUNG“ erscheint,  bewirbt sich Piontek bei Erich Kästner für eine Volontärstelle. Trotz einer Absage freute er sich sehr über den Antwortbrief Kästners, zumal dieser ihn bittet, eines seiner Manuskripte einzusenden.

Heinz Piontek ist zwischenzeitlich von seiner Freundin Hanna getrennt, deshalb können sie nur brieflich in Kontakt bleiben, was sich allerdings deutlich als schwierig darstellt, denn es werden zur damaligen Zeit viele Briefe unterschlagen. Er trifft Hanna nach über einem viertel Jahr wieder, die Familie ist vom gut 80 Kilometer entferntem Regensburg angereist. Der junge Mann ist wieder voller Lebensfreude,  sie gehen oft tanzen, lachen miteinander, haben Spaß, was sich auch positiv auf sein Lebensgefühl, sein Selbstbewusstsein auswirkt.

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