Lauingen und Dillingen

Von München nach Lauingen

Heinz Piontek: Foto im Studentenausweis
Heinz Pionteks erste Unterkunft in Lauingen
Erinnerungstafel an Heinz Pionteks erste Lauinger Bleibe
Durch Lauingen flanierend mit Claus Tiedtke, Gisela Dallman und Heinz Piontek (rechts)
Pionteks erstes eigenes Zimmer 1949/50 Gundelfinger Str. 9, heute Nr.30

Lauingen – Nachkriegsheimat, Neuanfang, Wendepunkte.

Für den jungen H.P brachte der Umzug von der noch von den Zerstörungen des Krieges gezeichneten Großstadt München in die schwäbische Provinz an der Donau Veränderungen in vielerlei Hinsicht mit sich. Sein lang gehegter Wunsch, Schriftsteller zu werden – mehr noch – seinen Lebensunterhalt als Autor zu verdienen, nahm hier seinen Anfang, die Weite der Donaulandschaft wurde zur Inspirationsquelle. Hier heiratete er die ebenfalls aus Kreuzburg stammende Gisela Dallmann.

Welche Beziehung hatte also er, der Heimatvertriebene, zu seiner ersten „festen“ Bleibe? In dichterischen Zeugnissen, in autobiographischen und essayistischen Betrachtungen sowie verschiedenen Reden gibt Heinz Piontek ein anschauliches Bild seiner ersten Lebensstation als junger Autor.

 

Eher ein Zufall führte den Oberschlesier 1947 in die bayerisch-schwäbische Kleinstadt; es war die Freundschaft zu Claus Tiedtke und die Möglichkeit, in Dillingen a.d. Donau nicht nur das Abitur nachzuholen, sondern an der Philosophisch-Theologischen Hochschule auch noch Germanistik zu studieren. Im Roman „Stunde der Überlebenden“ schildert Heinz Piontek., wie sein Freund ihn mit diesen Möglichkeiten gleichsam überrascht.


"Erst in den letzten Minuten (...) rückte Claus mit einer Neuigkeit für mich heraus, die er, um ihren Überraschungseffekt zu steigern, zwölf Stunden für sich behalten hatte. Mit wachsender Neugier hörte ich ihm zu, wie er von seinem letzten Besuch in Lauingen, seiner Nachkriegsheimat, erzählte. Von irgendwem hatte seine Mutter erfahren, dass in Dillingen an der Donau (...) eine kleine, jahrhundertealte Universität existiere. Dort sollte jedermann, der Lust aufs Studieren versüre, sogleich damit beginnen können." (S.566)


Piontek fand Quartier in der Burgstraße 1 in Lauingen. – im Hause der Mutter seines Freundes. Dieser hat ihm die Aussicht auf Unterkunft und gemeinsames Studieren geradezu schmackhaft gemacht:


"Wenn man dich nicht in München studieren lässt, (...)warum fängst du nicht einfach in Dillingen an? Zusammen mit mir?

Ja, kannst du mir sagen, fragte ich ihn erregt, wie ich in Dillingen zu einer Studentenbude komme?

Wenn du geneigt bist, mit Lauingen vorlieb zu nehmen, sagte Claus, brauchst du keine. Ich bin überzeugt, meine Mutter würde dich aufnehmen, sobald wir mit dem Studieren ernst machten." (S.567)


Lauingen – vom Krieg nahezu unzerstört bot H.P. bei seiner Ankunft ein fast idyllisches, befreiendes, traditionsbehaftetes, aber auch bescheidenes (Stadt-)Bild.


"Eine Stadt ohne Kriegsschäden, ohne auch nur einen Kratzer! Das allein schon war erstaunenswert, wohltuend." (S.568 f)


Der junge Mann wurde von Claus`Mutter herzlich empfangen und bezog Quartier, nach jahrelangen Entbehrungen hatte man gelernt, auch kleine Wohltaten und Annehmlichkeiten zu schätzen.


"Zum Schluss sagte sie zu mir: Nun hast du ja wohl einen Eindruck bekommen, mein Lieber, wie wir hier hausen. Wenn du also mit der Couch, auf der du sitzt, als ständigem Nachtlager zufrieden bist und mit mir als Köchin vorleib nehmen willst, dann brauchst du dir wenigstens über das Kost- und Logisproblem deines Studiums nicht weiter den Kopf zerbrechen." (S.569 f)


Bedauerlicherweise musste Heinz Piontek sein Vorhaben eines Studiums wegen Geldmangels letztlich doch abbrechen. Trotzdem bedeutete für ihn die Nachkriegsheimat Lauingen die vielzitierte „Stunde Null“ – v.a. in biographischer Hinsicht.

 

Claus Tiedtke. spielte noch eine weitere, entscheidende Rolle in Pionteks Leben, denn er kannte die Flüchtlingsfamilie Dallman, die ebenfalls aus Kreuzburg stammte und die in Lauingen Quartier bezogen hatte. Trotz gemeinsamer schlesischer Vergangenheit, vermochte Frau Dallmann sich jedoch nicht an den jungen Piontek zu erinnern. In der Wohnung der Dallmanns kam es zur Begegnung mit Gisela, der Tochter. In romantisch-schwärmerischem Ton erinnert sich der Autor:


"Da trat sie ein, die Studentin der Musik. Blondhaarig, frisch frisiert. (...) Gleich ihrer Mutter nahm sie uns sehr freundlich zur Kenntnis." (S.571)


Trotz gemeinsamer Kreuzburger Zeit, ja sogar räumlicher Nähe, hatten sich beide höchst unterschiedlich wahrgenommen.

Gisela Dallmanns Vorhaben, in die USA auszuwandern und dort zu heiraten, stimmten H.P. traurig. Aber Gisela Dallmann ändert ihre Pläne.

 

zurück
© 2013 Albertus-Gymnasium Lauingen