Literaturgeschichtliche Einordnung

Nicht um jeden Preis - Piontek und die Anthologie "Außerdem"

Piontek an H.Dollinger, 15.2.1967 (1); © Heinz Piontek-Archiv, Lauingen
Piontek an H.Dollinger, 15.2.1967 (2); © Heinz Piontek-Archiv, Lauingen
Piontek an H. Dollinger, 23.2.1967; © Heinz Piontek-Archiv, Lauingen
Piontek an H. Dollinger, 9.3. 1967 (1); © Heinz Piontek-Archiv, Lauingen
Piontek an H. Dollinger, 9.3. 1967 (2); © Heinz Piontek-Archiv, Lauingen

Die Anthologie „Außerdem“ minus Piontek


Fraglos ist Piontek in zahlreichen Anthologien vertreten; seine Mitarbeit und sein Zugeständnis, Texte freizugeben, unterliegen aber von ihm gesetzten strengen Maßstäben. Beispielsweise zeigt dies die Korrespondenz zwischen dem Buchhändler, Schriftsteller und Sachbuchautor Hans Dollinger und Heinz Piontek im Jahre 1967.


Piontek ging literarischen Moden und Trends aus dem Weg und war skeptisch gegenüber der „engagierten Literatur“, die insbesondere in den 60er Jahren von der damals omnipräsenten Gruppe 47 beherrscht wurde.
Piontek wollte sich keiner Gruppe anpassen, um frei zu sein von Programmen und Richtungen. Der Kontakt, die Korrespondenz mit befreundeten und dichterisch verbundenen Autoren waren ihm jedoch sehr wichtig.


Und auch Pionteks Bereitschaft, Texte für Anthologien freizugeben, sich also als bedeutender Autor der Gegenwart in Anthologien wiederzufinden, knüpft er selbstbewusst an Voraussetzungen und Bedingungen, die unmissverständlich formuliert werden.

Zu der von Hans Dollinger geplanten Anthologie Außerdem. (Ausserdem). Deutsche Literatur minus Gruppe 47 gleich wieviel?“, in die Werke von nicht in der Gruppe 47 organisierten Autoren aufgenommen werden sollten, schreibt Piontek an den Anthologisten:
„Ich finde die Idee zu Ihrer Anthologie ausgezeichnet! Freilich, wenn Sie nicht die allerstrengsten Maßstäbe anlegen, wenn Sie sich bei der Auswahl, nicht auf das Allerbeste beschränken, erweisen Sie uns Nichtorganisierten einen Bärendienst.“
Piontek ahnte wohl, dass nur gewichtige Beiträge von Nicht-Organisierten der zwar schon in Auflösung begriffenen, aber immer noch einflussreichen Gruppe 47 Paroli bieten könnten.
Dem Wunsch Dollingers „Unveröffentlichtes“ herauszugeben, entgegnet Piontek:
„…leider habe ich nichts Unveröffentlichtes, da ich erst im letzten Monat einen Gedichtband veröffentlicht habe (…)“
Dollinger geht auf Pionteks Vorschlag ein, bereits Gedrucktes aufzunehmen und erhält von ihm Vorschläge sowie eine Mindestanzahl. Insbesondere das Gedicht „Deutschland“ möchte Piontek in dieser Anthologie aufgenommen sehen. Und wieder betont er, unbedingt wichtige, nicht-organisierte Autorinnen und Autoren zu berücksichtigen: Tankred Dorst, Horst Bienek, Hilde Domin u.a.
Als kurz darauf Piontek in Erfahrung bringt, dass der als Mitarbeiter an der Anthologie geplante Hans Erich Nossack nicht bereit steht und dass weitere namhafte Autoren ebenfalls ihre Zustimmung verweigern, zieht sich Piontek ebenfalls zurück:
„Ich schrieb Ihnen gleich anfangs, dass Ihre Anthologie in meinen Augen nur einen Sinn hat, wenn Sie wirklich die erste Garnitur der Nicht-47er präsentieren.“

Für Piontek heißt das: Er möchte auch nicht aufgenommen werden.


Die Anthologie erschien trotzdem, erhielt zudem ein Grußwort von Hans Werner Richter, dem Initiator der Gruppe 47. Doch klingen in einer im Spiegel erschienenen Rezension die von Piontek geäußerten Bedenken an. „(…) diese Publikation zeigt auch besonders deutlich, wie frustrierend die meisten Versuche verlaufen, sich mit der Richter-Gruppe auseinanderzusetzen.“ (Der Spiegel, 34/1967, S.105)

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