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Münchner Jahre

Im Park von Schloss Nymphenburg 1962

Sehnsucht nach München

Heinz Piontek lebte 40 Jahre in der bayerischen Hauptstadt, einer Stadt der Künstler. Sie ist ihm - nach der "schwäbischen Provinz" - zur zweiten Nachkriegsheimat geworden.

In einem 1990 geführten Gepräch, das in der Publikation "Kulturpolitische Korrespondenz " der Stiftung Deutsche Kultur im östlichen Europa – OKR erschien, äußert sich Heinz Piontek zu seiner bereits früh vorhandenen Sehnsucht nach München.

v.l.n.r. Ernst Günther Bleisch, Karl Krolow, Heinz Piontek, Karl Alfred Wolken, Gisela Piontek, 11.Juli 1963

Münchner Künstlerszene

In der neune Wohnung Winzerstraße: Die abendlichen Gäste, befreundete Lyriker, ergeben am Ende eine muntere Runde. Der zunächst auch anwesende Walter Helmut Fritz musste, um "seinen letzten Zug" nach Karlsruhe zu erreichen, früher aufbrechen.

Dass sich Heinz Piontek nicht nur in literarischen Kreisen bewegte, seine Kontakte zu Künstlern also nicht nur auf Autoren und Dichterkollegen beschränkte, lässt sich auch dadurch belegen, dass er sich insbesondere zur Malerei, zur bildenden Kunst hingezogen fühlte. Wie seinen autobiographischen Romanen zu entnehmen ist, verdiente er sich durch den Verkauf seiner Aquarelle seinen ersten Lebensunterhalt. Heinz Piontek war nicht nur ein viel beachteter Dichter, auch sein bildnerisches Werk, das er zeitlebends ergänzte, verdient Aufmerksamkeit.

Nicht verwunderlich ist es daher, dass Heinz Piontek selbst gerne Modell stand. Verschiedene Porträts des Autors drücken seine Liebe zur Malerei aus, sind Teil seines Selbstverständnisses als Künstler.

Münchner Impressionen: Englischer Garten

Heinz Piontek machte sein Leben in der Kultur- und Kunstmetropole München immer wieder zum Gegenstand feuilletonistischer Betrachtungen. Schilderungen der Stadt, ihrer Plätze und Parks gehören zum Bestand seines Werks. Ein Beispiel der Zu- und Hinwendung des Autors zu den schönen, angenehmen Seiten Münchens lassen die Topographie lebendig werden, erwecken den Park, die grüne Insel der Großstadt, zum Leben.

Münchner Impressionen: Im Schleißheimer Schloßpark

Natur und Poesie verschmelzen bei Heinz Pionteks Schilderungen. Spazieren gehend lehrt der Autor das Sehen, Fühlen, Erleben. Landschaft wird synästhetisch aufgenommen, Vergangenheit wird lebendig. Der Leser nimmt teil auf dem Weg des Dichters.

Im Wohnzimmer der Etagenwohnung, 1978

Riederau am Ammersee

1967
Der Neubau (mit 40 schlechtisolierten Mietwohnungen), den Pionteks nun schon eine Weile bewohnen, erweist sich als nur mäßig geeignet für einen Autor, der es hauptsächlich mit konzentrierter und komplizierter Schreibarbeit zu tun hat. Da das Wohnhaus auch noch in nächster Nahe der Riesenbaustelle für die olympischen Sportstatten liegt, rollt ein nicht geringer Teil des gesamten Bauverkehrs Tag und Nacht unter den Fenstern vorüber. Daß es noch schlimmer werden wird, ist abzusehen. Frau P. schaut sich nach einer zweiten Wohnung auf dem Land um. Und sie hat Glück. Am Ammersee in Riederau (Diessen) entdeckt sie eine bequeme Etagenwohnung in einem Zweifamilienhaus, das einem Imkerehepaar gehört. Die Wohnung kann bereits im Oktober angemietet und im Dezember bezogen werden.

(Aus: Wirkungsgeschichte eines schreibenden Einzelgängers Bd.2, hrsg.v. Ludwig Steinherr, Selbstverlag, 2000, S.1071-1072)

Zwischen 1968 bis 1981 also verbrachte Heinz Piontek alljährlich einige produktive Monate in Riederau am Ammersee. Hier entstand u.a. sein zwölfteiliger Gedichtzyklus „Riederauer Gedicht“, und hier spielten auch einige Kapitel aus dem Roman „Dichterleben“. Heinz Piontek schildert seinen Rückzugsraum, sein Idyll als Quelle der Inspiration. Der Raum selbst wird poetisch zum Leben erweckt.